Vorsorge statt Nachsorge
ERKRANKUNGEN RECHTZEITIG ERKENNEN UND HEILUNGSCHANCEN VERBESSERN Was behandeln deutsche Männer besser: ihren Körper oder ihr Auto? Die Statistik beantwortet diese Frage eindeutig. Nicht einmal 20 Prozent aller anspruchsberechtigten Männer über 45 gehen regelmäßig zur Krebsfrüherkennung. Die Möglichkeit zur Gesundheitsuntersuchung, einem "Check-up" alle zwei Jahre, nutzen lediglich 17 Prozent. Doch nicht nur das Auto braucht regelmäßige Inspektionen, auch der Körper hat so viel Fürsorge verdient.
Vielen Verantwortlichen der Krankenkassen treiben diese Zahlen die Sorgenfalten auf die Stirn, schließlich dienen die Vorsorgeuntersuchungen dem frühzeitigen Erkennen von Symptomen, noch bevor aus diesen Krankheiten werden. Die Krankenkassen übernehmen deshalb für sehr viele dieser Untersuchungen die Kosten. So wurde im Jahr 2008 die zweijährige Gesundheitsuntersuchung um die Hautkrebsvorsorge erweitert. Während der Check-up Zivilisationskrankheiten, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Stoffwechselfunktionen und psychische Gesundheit untersucht, wird beim Hautkrebsscreening der gesamte Körper von der Kopfhaut bis zu den Fußsohlen in Augenschein genommen und auf Auffälligkeiten hin geprüft. Zur Gesundheitsuntersuchung gehören auch Laborbefunde sowie die Überprüfung des Impfstatus. Die Vorsorgeuntersuchung ist auch eine gute Gelegenheit für ein ausführliches Gespräch mit dem Hausarzt.
Einfühlsam (hoffentlich) kann er die normalen Anzeichen des Älterwerdens erklären und damit auch Ängste nehmen. Besondere Aufmerksamkeit sollten Senioren der regelmäßigen Überprüfung ihrer Hör- und Sehleistung schenken. Meist merken sie die Verminderung dieser Sinnesleistungen erst ziemlich spät, sodass schon ein Teil an Lebensqualität eingebüßt wurde. Schlechter werdende Sehkraft ist vor allem beim Autofahren ein erhebliches Risiko. Das Paket der Vorsorge umfasst auch den Besuch beim Augenarzt, der insbesondere das Auftreten von Grünem oder Grauem Star testet. Die weitverbreiteten Augenerkrankungen können in der Regel recht unkompliziert behandelt werden, wenn sie frühzeitig erkannt werden. 27 000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an Darmkrebs.
Seit der Einführung der Vor- sorge-Koloskopie als gesetzliche Leistung der Krankenkassen im Jahr 2002 hat sich viel bewegt. Der Anzahl der durch diese Vorsorge-Untersuchung früh entdeckten Krebstumore ist es zu verdanken, dass die Zahl der tödlich verlaufenden Darmkrebserkrankungen seitdem stetig abnimmt. Wie Darmkrebs entsteht, ist noch immer nicht hinreichend geklärt. Eine ganz wesentliche Rolle spielt aber die familiäre Disposition. Darmkrebs lässt sich meist zu fast 100% heilen, wenn er frühzeitig entdeckt wird. Das sollte genug Motivation sein, die Untersuchungen beim Gastroenterologen nicht weiter hinauszuschieben. Gute Erfolge verzeichnet auch die Frauenheilkunde. Durch die gynäkologische Jahreskontrolle ist die Früherkennung von Gebärmutterhals- und Brustkrebs möglich. Frauen über 40 sollten alle zwei Jahre zur Mammographie gehen, ab dem 50. Lebensjahr gehört diese Untersuchung ins Pflichtprogramm.
Die Brustuntersuchung mag für ältere Menschen etwas unangenehm sein, aber die Folgen eines zu spät erkannten Mammakarzinoms sind weitaus unangenehmer und haben manchmal sogar tödliche Folgen. Was für Frauen bei der Mammographie gilt, ist bei Männern die regelmäßige Prostata-Kontrolle. Und natürlich gehört der prophylaktische Besuch beim Zahnarzt – idealerweise halbjährlich – ins Gesundheits-Pflichtenheft. Die Krankenkassen geben gern Auskunft über die Vorsorge-Leistungen und helfen auch bei der Suche nach den Fachärzten. Einzelne Kassen honorieren sogar Mitglieder, die ihre Vorsorge gewissenhaft wahrnehmen. Schließlich ist vorbeugen nicht nur besser, sondern auch billiger als heilen.
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