Katja Kessler im Interview - Das Schatzi-Experiment oder: „der Tag, an dem ich beschloss, meinen Mann zu dressieren“.

Katja Kessler, Zahnärztin, vierfache Mutter, Ghostwriterin von Dieter Bohlen und High-Society- Kolumnistin der „Bild“ hat ein neues Buch auf den Markt gebracht. Das haben bis heute bereits über 100.000 Leser gekauft. Macht ca. 300.000 Frauen, die es gelesen haben. Es wird gerade ins Koreanische übersetzt und in Dresden auf die Bühne gebracht. Chapeau! Das muss erst mal eine(r) nachmachen. Jedoch ist dieser phänomenale Erfolg eigentlich klar nachzuvollziehen. Ein Buch von Katja Kessler ist immer ein Riesengewinn. Es macht fröhlich, lässt uns schallend lachen und dabei fühlen wir uns auch noch verstanden. Keine andere Autorin beschreibt Pleiten, Pech und Pannen so lustig wie sie und gleichzeitig so menschlich.

Da werden die ganz normalen Alltagssorgen aufs Korn genommen und die Macken der Männer genüsslich ausgebreitet – und die sind offensichtlich weltweit immer die gleichen. Das hilft! „Schatzi“, den sie in ihrem neuesten Werk zu dressieren versucht, ist ihr Ehemann, "Bild"- Chefredakteur Kai Diekmann. Der lässt sich die Hauptrolle in ihren Büchern gefallen. Auch dass sie sagt: „Ein Ehemann ist ein Rohstoff, kein Fertigprodukt" und empfiehlt “Fütter deinen Mann ausreichend, lass ihn schlafen und den "Tatort“ schauen. Dann ist er zu 90 Prozent zufrieden“ nimmt er offensichtlich gelassen hin. Ein souveräner Mann, aber einen anderen kann man sich an ihrer Seite auch nicht vorstellen. Wir treffen Katja Kessler im Maritim Hotel in Timmendorfer Strand, wo sie das neue Buch auf einer UNICEF-Talkshow vorstellt. Sie hat das Aussehen, das Köpfe verdreht, wann immer sie auftritt. Blond, bildschön, hochgewachsen und so herrlich schlank, dass man als ganz normale Frau automatisch den Bauch einzieht und das Kreuz durchdrückt. Und sie ist einfach umwerfend: charmant, liebenswert, warm. Mit ihrer jüngsten Tochter auf dem Arm geht’s ins Interview. Diese ist blitzwach und fühlt sich ausgesprochen wohl – auch als sie Mamis I-Phone gründlich durcheinanderbringt. Katja Kessler nimmt’s mit bewundernswertem Gleichmut.

Auf die MLB-Frage „Promovierte Zahnärztin, Autorin, Journalistin, Kolumnistin, Society-Expertin, Ehefrau, 4-fache Mutter – haben Sie das Multitasking erfunden?“ meint sie ganz ruhig, „Cross the bridge, when you come to it“ – „Die Politik der kleinen Schritte“ - das ist mein Motto. Ich versuche mich auf die Dinge zu konzentrieren, die wirklich wichtig sind. Den Frauen empfiehlt sie, sich vor Perfektionismus zu hüten: „John Lennon hat mal gesagt: Leben ist das, was dir zustößt, während du eifrig Pläne schmiedest.

“ MLB: Sie haben in Kiel studiert, wohnen in Potsdam. Vermissen Sie den Norden? „Ja, denn ich liebe die Holsteinische Schweiz und die Ostsee. Ich komme ja von hier, das ist immer noch mein Zuhause. Meine Eltern hatten übrigens in Timmendorfer Strand ihr erstes Rendezvous“. Katja Kessler hat nicht nur ihre dreijährige Tochter auf der Lesereise dabei, sondern auch ihre Mutter, mit der sie zusammen die Tour durch die Heimat genießt.

MLB: Begabt, fleißig, clever….. Ererbt oder erarbeitet? „Ich glaube, Erfolg ist eine Mischung aus Begabung, Biss und „Augen auf“. Du musst das, was in dir ist, perfektionieren wollen. Du musst offen sein für alles Neue. Nach dem Zahnmedizin- Studium habe ich kurz entschlossen alle Zelte abgebrochen und mich auf Zeitungspraktika geworfen. Jede noch so kleine Chance zu schreiben, eine eigene Geschichte ins Blatt zu bekommen, habe ich genutzt. Ich bin da meinem Stern gefolgt, wenn man so will.

MLB: Ihre Bücher sind herrlich komisch. Worüber können Sie lachen? „Über die Sprüche meiner Kinder, herrlich unverfälscht und geradeheraus. Mein Sohn Kolja meinte mal, da war er vier, auf dem Wochenmarkt zu einer netten älteren Dame: „Kommst Du bald in den Himmel?“ Übrigens, Lachen kann man lernen! Man kann den Blick für die Komik des Alltags schulen, an fast allem auch eine ulkige, skurrile Seite entdecken. Und das Beste: Lachen ist gesund, ein rezeptfreies Gratis- Medikament“.

MLB: Kann man Männer tatsächlich erziehen? „Nein, nicht wirklich. Am besten nimmt man ihn so, wie er kommt. Marlene Dietrich sagte mal: „Da lernst du deinen Mann kennen, fängst an, ihn zu verändern, schließlich ist er so, wie du ihn haben möchtest – und dann liebst du ihn nicht mehr“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

MLB: Was macht Ihren (einen) Mann für Sie interessant? „Humor. Nichts ist erotischer als mit einem Mann lachen zu können. Und nichts ist abtörnender als so ein männliches Knäckebrot, das zum Lachen in den Keller geht.

MLB: Was nervt Sie an Frauen? „Die Zickigkeit! Ich bin auch so eine Vertreterin.“. An Männern? „Die erkennen ein Problem erst, wenn es mit rotem Flatterband markiert ist“.

MLB: Was sagt Ihr Mann über seine Rolle in Ihren Büchern? „Er freut sich, dass ich ihm helfe, ein besserer Mensch zu werden.

MLB: Was ist Luxus für Sie? „Zeit zu haben für meinen Mann und meine Kinder. Ausschlafen. Und! Kleine Augenblicke ohne den Schrei Mama“.

MLB: Was ist die Kernaussage in Ihrem Buch – was geben Sie Frauen mit auf den Weg? „Ein Ehemann ist ein Rohstoff! Kein Fertigprodukt!“.

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