Die Mistel mehr als trendiger Weihnachtsschmuck

Küsst man ein Mädchen während der Weihnachtszeit unter einem Mistelzweig, soll das Glück bringen – nicht nur in der Liebe. Überall werden in diesen Tagen Mistelzweige angeboten und über die Eingangstür gehängt. Diese magische Pflanze ist in vielerlei Hinsicht interessant und hat sich historisch, botanisch und medizinische einiges zu bieten. In christlichen Gebräuchen galt die Mistel als friedensstifftende Pflanze, unter der man sich versöhnte und den Friedenskuss gab. Aus diesem wurde der Liebeskuss. Vor allem in Nordamerika, Grossbritanien und Skandinavien war es Liebenden erlaubt, sich ungestraft unter einem Zweig vor der Ehe zu küssen.
Medizinisch verwendeten die heilkundigen Druiden sie als Arzneipflanze gegen Epilepsie und Schwindelanfälle. Im Mittelalter heilte man Ohrenschmerzen, Vergiftungen und Fallsucht mit ihr. Sie sollte die Fruchtbarkeit von Mensch und Tier steigern. Pfarrer Kneipp behandelte Frauenleiden und Kreislaufstörungen mit Mistelmedizin. Heute spielt die vielseitige Pflanze eine Rolle in der Behandlung zur Blutdrucksenkung, bei Altersbeschwerden und Arteriosklerose und kommt zum Einsatz bei Krebserkrankungen. Die kaum einen halben Meter großen Mistelbüsche auf den Weihnachtsmärkten können 20 bis 30 Jahre alt sein, denn die Pflanze wächst recht langsam. Außerdem ist sie ein Schmarotzer.
Die Laubholzmistel lebt auf Weiden, Pappeln, aber auch auf Apfelbäumen, Linden oder Ahorn und ist im Winter als kugeliges Gewächs auf vielen Bäumen sichtbar. Die weißen giftigen Beeren sind Futter beispielsweise für Misteldrosseln, die im Kot die Samen auf die Wirtsbäume kleben. Der Spross bohrt sich in die Rinde und zieht Wasser und Mineralien aus den Leitungsbahnen. Nicht nur in Deutschland gedeiht die Pflanze, sie ist auch in Süd- und Mitteleuropa, Nordafrika und Asien, bis zum Himalaja verbreitet. Als gefährdet gilt sie nur regional.
Eher scheint sie sich auszubreiten. Manchmal finden sich besonders große Ansammlungen in städtischen Parks und Friedhöfen auf Tulpenbaum, Silberahorn oder Schwarznuss. Die aus Amerika importierten Ziergehölze scheinen besonders attraktiv für sie zu sein. Wer sich auf winterlichen Spaziergängen schon immer gefragt hat, wer Baumeister der Kugelnester ist, weiß jetzt, dass nicht Vögel für diese eigenartigen Gebilde verantwortlich sind.
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