Den Frühling ins Haus holen - Barbarazweige

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Die Natur scheint stillzustehen. Ein paar welke Blätter und Hagebutten hängen noch an kahlen Ästen. Doch die Pflanzen bereiten sich schon jetzt auf den nächsten Frühling vor und bilden zarte Knospen. Wenn man genau hinschaut, kann man sie erkennen. Wer neben dem weihnachtlichen Schmuck mit Frühlingsboten punkten will, sollte sich einen bestimmten Tag im Dezember gut merken. Zweige der Forsythie und Kornelkirsche beispielsweise, die am Barbaratag, dem 4. Dezember, geschnitten werden, blühen zu Weihnachten - vorausgesetzt sie haben schon einmal Frost bekommen. Ersatzweise kann man sie über Nacht ins Gefrierfach legen. Zum Austreiben benötigen sie den Kälteimpuls.

Die Barbarazweige sollten aber nach dem Schnitt zunächst eine Nacht in lauwarmes Wasser gelegt und dann in eine Vase mit frischem Wasser gestellt werden, das alle drei bis vier Tage auszutauschen ist. Diese schöne Weihnachtstradition ist fast in Vergessenheit geraten und geht wahrscheinlich auf das Orakel der germanischen Lebensruten zurück. Mit den blühenden Zweigen wurden die Kinder geschlagen, damit die Lebenskraft der Jugend auf den Schlagenden übergeht. Eine Parallele findet sich in dem Brauch, die ungezogenen Kinder am Nikolaustag mit der Rute zu züchtigen. In Schweden werden die Julgeschenke auf diese Weise eingefordert. Man überträgt mit einem Schlag der blühenden Zweige die Kraft der Natur und erhält dafür ein Geschenk. Diese Überlieferung ist vermutlich der Heiligen Barbara zu verdanken, die um 300 nach Christus in der Nähe von Konstantinopel (heute Istanbul) gelebt haben soll.

Barbara war die Tochter eines wohlhabenden Heiden, der ihr eine gute Erziehung und Bildung zukommen ließ. Einer der Lehrer machte sie mit dem Christentum vertraut, woraufhin sie sich taufen ließ. Den Heiratsantrag eines Heiden lehnte sie ab und erklärte ihrem Vater ihre Gründe. Dieser war so wütend, dass er ihr eine furchtbare Strafe androhte, sollte sie den Heiden nicht zum Mann nehmen. Barbara hielt an ihrem Glauben fest und ihr Vater ließ sie zum Tod verurteilen und sich selbst als Henker einsetzen. Der Legende nach starb Barbara am 4. Dezember als Märtyrerin, geköpft von ihrem Vater, der daraufhin vom Blitz getroffen wurde. In der Legende heißt es weiter, dass sich auf dem Weg zum Kerker in ihrem Gewand ein Kirschbaumzweig verfing, den sie mit ihrem Trinkwasser am Leben hielt.

Als Dank blühte er. Das Wunder funktioniert übrigens nicht nur mit Obstbäumen wie Äpfeln, Birnen, Kirschen und Pflaumen, auch Jasmin, Weide und Rosskastanie sammeln in den drei Wochen bis Weihnachten die Wärme, die ihnen im Frühjahr sonst biologisch den richtigen Start zum Blühen anzeigt. Wenn die Zweige dann tatsächlich blühen, können wir das als gutes Zeichen für das kommende Jahr sehen und uns am Blühwunder mitten im Winter erfreuen.

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Dr. Klaus-Uwe Gerhardt_pixelio.de

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